Besuch in einem Dorf am Lake Mutirikwe in Zimbabwe

Der Lake Mutirikwe (früher Kyle) liegt in der Nähe der gewaltigen Ruinen von Great Zimbabwe, südöstlich von Masvingo. Der See wurde 1960 aufgestaut, um die 200 km südlich gelegenen Zuckerrohrfelder bei Triangle zu bewässern. Das Dorf liegt nicht direkt am See, benützt aber seinen Fischreichtum, wenn der Wasserstand hoch genug ist. Das Trink- und Gebrauchswasser stammt aus einem Grundwasserbrunnen und wird dort von Frauen und Kindern in Eimern geholt.

Der Lake Mutirikwe
Ruinen von Great Zimbabwe

Das Dorf selbst besteht aus mehreren verstreuten Hüttengruppen. Zu einem solchen Platz gehören eine Gemeinschaftsküche, einige Wohnhütten, auf kurzen Stelzen gebaute Speicher für Zwiebeln und Mais, ein unterirdischer mit Lehm bedeckter Keller für Getreide, ein Toilettenbau am Rand des Wohnbereichs. Überall gackern Hühner und einige Hunde rennen herum. In einem kleinen Schlag werden Kaninchen gehalten, in der Ecke eines Schlafraums brütet eine Henne ihre Eier aus. Die Hütten sind aus getrockneten Lehmziegeln gebaut und besitzen Strohdächer. Die Lehmziegel werden von den Frauen selber hergestellt. Der häufig vorkommende Lehm wird nass in eine Holzform gefüllt und dann zum Antrocknen umgestülpt. Die so gefertigten Mauersteine werden dann zu einer Art Ofen mit Feuerraum in seiner Mitte aufgeschichtet. Mit einem Holzfeuer werden die Steine dann 24 Stunden lang „gebacken“ und dann zum Hausbau verwendet. Diese ursprüngliche Baumethode ist heute ökologisch umstritten, weil dazu sehr viel Holz verbrannt werden muss, das dann je nach Umständen zur täglichen Nahrungsaufbereitung fehlt und oft mühsam von weit weg herangeschleppt werden muss. Das hohe Gras für die Dächer wird in der Trockenzeit gesammelt, gebündelt und auf einem Gestell gelagert. Kurz vor der Regenzeit werden die Felder bestellt. Der primitive Pflug – oft aus wenigen Eisenstäben gefertigt – wir von einer Kuh über den Acker gezogen. Nachher wird Mist oder anderer Dünger in kleine Kuhlen gelegt. Wenn dann der Regen kommt, werden die Saat oder vorher in der Nähe eines Baches oder eines Wasserlochs angetriebene Stecklinge ausgebracht. Zwar wird Dünger vom Staat verteilt, aber erst nach der Pflanzzeit als Vorrat für das folgende Jahr. Das wird wohl so gemacht, damit die Bauern über das Jahr auch eigenen Dung sammeln. Ausjäten, Wässern und Ernten ist dann harte Handarbeit. Die Produkte werden dann auf Märkten verkauft. Der Erlös muss dann für die Schulgelder, Medizin und nicht selber produzierbare Gegenstände reichen.

Die Küche ist auch der Gemeinschaftsraum der Familie. In der Mitte wird auf offenem Feuer gekocht. Die Frauen sitzen mit den Kleinkindern auf der einen Feuerseite am Boden, die Männer benützen eine steinerne Sitzbank auf der anderen Seite. Gekocht wird fast immer Sadza (Brei aus weissem Maismehl) und Muriwo (Spinat). Je nach Saison oder Gelegenheit gibt es auch Pilze, Früchte, Fisch und sehr selten Huhn oder anderes Fleisch.

Da es keine Elektrizität gibt, werden an den langen Abenden Geschichten erzählt und Näh-, Strick- oder Handarbeiten gemacht.

Das Leben in diesen Dörfern auf dem Land folgt immer noch den alten Traditionen und unterscheidet sich fundamental vom modernen Leben in den Städten. Obwohl die Frauen praktisch alle Arbeiten machen, stehen die Männer den Familien vor. Sie tragen meistens nur wenig zum Lebensunterhalt bei, es sei denn sie finden irgendwo Lohnarbeit, z.B. im Tourismus oder Transportwesen. Immer noch herrscht strenges Patriarchat. Das Familienhaupt kann mehrere Frauen „besitzen“ (wörtlich), Mädchen oder junge Frauen gegen gutes Geld oder Haustiere verheiraten und Geld für den eigenen Alkoholkonsum ausgeben.

Fehlt das Schulgeld, haben häufig nur Knaben Zugang zu Bildung und zur Berufswelt. PfAH möchte deshalb mithelfen, diese Situation zu verbessern, sei es mit Schulgeldern für Mädchen, sei es mit Weiterbildungskursen für Frauen oder mit Beratung und Hilfe für durch illegal praktizierte Kinderheirat oder Missbrauch betroffene Mädchen und jungen Frauen.

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